unwichtige Gedanken – und Erfahrungen mit Schlauchmagen und Magenbypass

Pegidas 19 Punkte – und was ich davon halte

1. Pegida ist für die Aufnahme von Kriegsflüchtlingen und politisch oder religiös Verfolgten. Das ist Menschenpflicht!

Soweit kann ich wunderbar zustimmen.

2. Pegida ist für die Aufnahme des Rechtes auf und die Pflicht zur Integration ins Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland (bis jetzt ist da nur ein Recht auf Asyl verankert)!

Klingt erstmal prima. Die Frage ist: was bedeutet Integration genau? Aber auf der abstrakten Ebene eines kompakten Programms kann ich damit gut leben.

3. Pegida ist für dezentrale Unterbringung der Kriegsflüchtlinge und Verfolgten, anstatt in teilweise menschenunwürdigen Heimen!

Klingt auch gut. Kann natürlich dazu führen, dass die Betreuung schwieriger wird, aber per se ist die Unterbringung in kleinen Einheiten sicherlich sinnvoll.

4. Pegida ist für einen gesamteuropäischen Verteilungsschlüssel für Flüchtlinge und eine gerechte Verteilung auf die Schultern aller EU-Mitgliedsstaaten! (Zentrale Erfassungsbehörde für Flüchtlinge, welche dann ähnlich dem innerdeutschen, Königsteiner Schlüssel die Flüchtlinge auf die EU-Mitgliedsstaaten verteilt)

Das klingt sehr gut. Insbesondere entlastet sowas dann Griechenland und Italien, wo ja die meisten Flüchtlinge landen.

5. Pegida ist für eine Senkung des Betreuungsschlüssels für Asylsuchende (Anzahl Flüchtlinge je Sozialarbeiter/Betreuer – derzeit ca. 200:1, faktisch keine Betreuung der teils traumatisierten Menschen).

Auch da gehe ich mit. Wobei das sicherlich einen Aufschrei wegen der ach so hohen Kosten geben wird – die in Wahrheit verschwindend gering sind.

6. Pegida ist für ein Asylantragsverfahren in Anlehnung an das holländische bzw. Schweizer Modell und bis zur Einführung dessen, für eine Aufstockung der Mittel für das BAMF (Bundesamt für Migration und Flüchtlinge) um die Verfahrensdauer der Antragstellung und Bearbeitung massiv zu kürzen und eine schnellere Integration zu ermöglichen!

Das holländische bzw. Schweizer Modell ist mir nicht vertraut. Das bisschen, was ich darüber weiß, klingt eher so, als sei es eine Verschlechterung für die Asylbewerber. Aber für eine echte Beurteilung müsste ich hier in die Tiefe gehen. Das überlasse ich aber lieber den Experten.

7. Pegida ist für die Aufstockung der Mittel für die Polizei und gegen den Stellenabbau bei selbiger!

Angesichts der Überlastung der Polizei halte ich das für eine sinnvolle Position.

8. Pegida ist für die Ausschöpfung und Umsetzung der vorhandenen Gesetze zum Thema Asyl und Abschiebung!

Wenn vorhandene Gesetze nicht voll ausgeschöpft werden, hat das meist einen guten Grund (z.B. schiebt man absichtlich Leute vom Balkan nicht im Winter ab, weil sie dort vermutlich erfrieren würden). Allgemein gilt: Gesetze wendet man mit Augenmaß an. Auch solche zum Thema Asyl und Abschiebung.

9. Pegida ist für eine Null-Toleranz-Politik gegenüber straffällig gewordenen Asylbewerbern und Migranten!

Abschiebung, weil man mal einen Lolli geklaut hat? Das halte ich für falsch. Vielfach sind die Leute traumatisiert, sind es nicht gewohnt, in einem Rechtstaat zu leben. Das braucht Eingewöhnungszeit.

10. Pegida ist für den Widerstand gegen eine frauenfeindliche, gewaltbetonte politische Ideologie aber nicht gegen hier lebende, sich integrierende Muslime!

Klingt erstmal gut. Wenn man sich aber mal anschaut, wer das vertritt, fragt man sich: seid ihr nicht selbst frauenfeindlich? Seid ihr nicht selbst gewaltbetont?
Aber gut. Per se eine sinnvolle Forderung.

11. Pegida ist für eine Zuwanderung nach dem Vorbild der Schweiz, Australiens, Kanadas oder Südafrikas!

Zuwanderung von gut qualifizierten ist sicherlich sinnvoll. Aber mit Asylpolitik hat das relativ wenig zu tun (wenn auch einige Asylbewerber hochqualifizierte Leute sind).

12. Pegida ist für sexuelle Selbstbestimmung!

Auch hier wieder: seid ihr euch da sicher? Oder gilt das nur dann, wenn die Leute nicht homosexuell sind? Per se: wer sollte da nicht für sein?

13. Pegida ist für die Erhaltung und den Schutz unserer christlich-jüdisch geprägten Abendlandkultur!

Witzig, wie seit einiger Zeit immer die Juden mit herhalten müssen, wenn die möchtegern-Konservativen was wollen. Und wie verträgt sich das mit Punkt 12? Im katholischen Christentum war doch was mit Homosexualität und böse. Die Protestanten sehen das eigentlich auch so, aber sie verschweigen das gern. Wie das bei den jüdischen Strömungen aussieht, habe ich gerade keinen Überblick. Und überhaupt: Dieser Punkt ist extrem schwammig, zumal das Abendland vielfältig ist und schon Deutschland als klassisches Durchzugsland vieler Kulturen alles andere als eine einheitliche Kultur hat.

14. Pegida ist für die Einführung von Bürgerentscheidungen nach dem Vorbild der Schweiz!

Da bin ich skeptisch. Selbst in der Schweiz, wo die Menschen viel Erfahrung damit haben, passieren immer wieder seltsame Sachen bei diesen Bürgerentscheidungen.

15. Pegida ist gegen Waffenlieferungen an verfassungsfeindliche, verbotene Organisationen wie z.B. PKK

Irgendwie klingt das wie so ein überspezifisches Dementi. So wie „wenn sie nur verfassungsfeindlich, aber nicht verboten sind, dann dürfen sie Waffen bekommen“.

16. Pegida ist gegen das Zulassen von Parallelgesellschaften/Parallelgerichte in unserer Mitte, wie Sharia-Gerichte, Sharia-Polizei, Friedensrichter usw.

Außergerichtliche Einigungen gibt es zu recht. Und wenn alle Parteien eine Schlichtung nach Sharia haben wollen, warum nicht?

17. Pegida ist gegen dieses wahnwitzige „Gender Mainstreaming“, auch oft „Genderisierung“ genannt, die nahezu schon zwanghafte, politisch korrekte Geschlechtsneutralisierung unserer Sprache!

Ich bin auch kein Freund dieser Sprachvorschläge. Nicht weil ich das Problem nicht sehe. Sondern weil die Vorschläge bislang nicht praktikabel sind. Ich bin für ein gut in die Sprache sich einfügendes Utrum. Das würde die Sprache bereichern und einen Beitrag zur Gleichberechtigung leisten.

18. Pegida ist gegen Radikalismus egal ob religiös oder politisch motiviert!

Wer nicht? Die Frage ist, was man als Radikalismus empfindet. Üblicherweise ist die „Nachbarmeinung“ noch ok, zwei bis drei Schritte weiter im politischen Spektrum ist dann schon radikal.

19. Pegida ist gegen Hassprediger, egal welcher Religion zugehörig!

Wer nicht? Aber auch hier wieder: wer bestimmt, wer ein Hassprediger ist? Wenn man sich die Leute anschaut, die auf den Pegida-Demos reden, müssten sie oftmals gegen sich selbst sein.

 

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