unwichtige Gedanken – und Erfahrungen mit Schlauchmagen und Magenbypass

Durch die Wüste

Nach einem ereignislosen Hinflug – ok, ich war genervt vom Gemecker einiger Mitreisender, aber das zähle ich nicht als Ereignis – und einem faulen Tag am Strand ging es nun für 2 Tage in den Süden des Landes.

Erstmal war früh aufstehen angesagt, und zwar früher als nötig. Denn obwohl auf meinem Zettel 5:35 als Abholzeit stand, hatte ich 4 Uhr im Kopf und beschloss, lieber zu früh als zu spät dran zu sein. Naja, natürlich war 5:35 richtig und ich durfte ein bisschen in der Hotellobby warten. Selbst schuld.

Zunächst ging es mit einem Kleinbus, der die ganzen Leute aus Hammamet einsammelte, nach Sousse. Dabei lernte ich eine kleine Familie aus der Gegend von Braunschweig – dem Dialekt nach eher östlich von Braunschweig – kennen. Liebe Grüße schon mal an Ramona, Tom, den kleinen Aaron und die Oma, deren Namen mir offengestanden entfallen ist, auch wenn ihr wahrscheinlich das hier nie lesen werdet. In Sousse angekommen stiegen wir in einen Reisebus um. Unter ausgezeichneter Begleitung durch einen Führer, der alle Ansagen auf Französisch, Englisch und Deutsch – in wechselnder Reihenfolge – machte, ging es dann weiter in den Süden, erstmal bis El Djem.

In El Djem besichtigten wir das dortige Collosseum, immerhin das drittgrößte erhaltene seiner Art. In der Tat ist es ein sehr beeindruckender Bau und erstaunlich gut erhalten. Dennoch war diese Besichtigung ein Fremdkörper in der Reise, denn ansonsten ging es eher um Beduinen und Nomaden, nicht um antike Trümmer.

Zu den Beduinen fuhren wir nämlich nun nach Matmata. Hier leben noch ein paar Berber in gegrabenen Wohnhöhlen. Zunächst waren wir in einem Restaurant zum Mittagessen, das in einer solchen Höhle untergebracht ist oder zumindest dieser nachempfunden ist – so genau war das nicht zu erkennen. Beim Essen kam ich mit einem sehr netten Pärchen aus Südengland ins Gespräch – hallo an dieser Stelle an Helen und Dan –  mit denen ich später auch die anderen Mahlzeiten zusammen einzunehmen das Vergnügen hatte. Die Berberhöhle selbst war dann auch wirklich sehenswert. Ich glaube allerdings, dass sie vorher aufgeräumt haben, damit die Playstation des Sohnes das Gesamtbild nicht zerstört. Aber was tut man nicht alles für die lieben Touristen?

Durch eine wild-romantische Berglandschaft ging es nun weiter nach Dous. Dort durften wir beim Kamelreiten die Geschäftstüchtigkeit der Einheimischen erfahren. Zum Beispiel kam dann mitten in der Wüste jemand mit gekühlter Cola vorbei und drückte mir eine in die Hand. Bevor ich noch protestieren konnte, war sie auch schon offen und ich fühlte mich beabsichtigtermaßen verpflichtet, sie ohne großes Gefeilsche zu kaufen. Erstaunlich günstig mit 3 Dinar (1 Dinar ist ziemlich genau 50 Cent, ein Umrechnungskurs, der sehr angenehm ist und für den ich der tunesischen Staatsbank an dieser Stelle meinen Dank aussprechen will) war dann immerhin das Erinnerungsphoto. Mein einziges Problem war, dass ich beim Kamelreiten so geschwitzt habe, dass mir die Mischung aus Schweiß und Sonnencreme in die Augen lief und ich den Rest des Tages ein wenig darunter zu leiden hatte.

Der Tag war aber nicht mehr lang, denn nun ging es in das Hotel. Frisch geduscht fand ich mich zum Essen ein, wo Helen und Dan mich an ihren Tisch einluden. Eine gute Gelegenheit, mein Englisch ein bisschen zu entrosten und über Gott und die Welt zu klönen. Lange hielten wir aber alle nicht durch, denn am nächsten Tag sollte um 4 Uhr der Weckruf kommen. Von da an hatte ich aber das Glück, immer mit den beiden zusammen essen zu können.

Und so war es denn auch. Nach einem kurzen Frühstück fuhren wir Richtung Salzsee. Zunächst gab es aber einen kurzen Zwischenstop, um den Sonnenaufgang photographieren zu können. Auch der Salzsee, der übersetzt tatsächlich Palmenstrand heißt, war überaus beeindruckend. Ich werde nach dem Sichten derselben ein paar Photos hochladen.

Schlließlich kamen wir nach Tozeur, wo wir auf einer Kutschfahrt durch die Oase eine Dattelplantage besichtigen konnten. Natürlich mit der Möglichkeit, ein wenig einzukaufen. Zurück von der Kutschfahrt wechselten wir direkt in Jeeps, die uns in die Berge brachten, um in Chebika meiner Meinung nach den Höhepunkt der Reise zu besichtigen: eine Oase, die in einer schmalen Schlucht am Rande des Atlasgebirges liegt. Inklusive einem kleinen Wasserfall, frischen Quellen und dergleichen mehr.

Etwas größer war dann der Wasserfall in Tamerza – aber irgendwie war der zweite Wasserfall eben der zweite Wasserfall. Größe ist nicht alles. Allerdings hatte ich das Glück, dass meine Eingebung, einfach mal doch einem einheimischen Führer zu folgen, richtig war. Er brachte mich unterhalb des Wasserfalls um ein paar Klippen herum in das anschließende Tal, das mit seinem naturbelassenen(? – es wirkte jedenfalls so) Grün einen reizvollen Kontrast zu den umliegenden Felsen bot.

Zurück in Tozeur stiegen wir wieder in den Bus. Nun ging es eigentlich nur noch zurück. Bei Gafsa gab es Mittagessen. In Kairouan hielten wir an einem Souvenirshop, der uns als günstig angekündigt worden war und dieses Versprechen auch hielt. Vom Dach konnte man zur großen Moschee rübergucken und -photographieren. In Kairouan sind zwei Episoden denkwürdig. Es war es so, dass das deutsche Ehepaar hinter mir keine Gelegenheit ausließ, sich über den herumliegenden Plastikmüll aufzuregen. Sicher, das ist kein schöner Anblick, aber das kann man einmal mißbilligend zur Kenntnis nehmen und dann ist das Thema durch. Nun fuhren wir also nach Kairouan herein und an der Festung gab es einen der ortsüblichen Müllhaufen. Nur war dieser mit Katze. Die vor mir sitzenden Franzosen riefen „oh, schaut mal, die niedliche Katze“, die hinter mir sitzenden Deutschen „oh, schaut mal, schon wieder so ein gräßlicher Müllhaufen“. Irgendwie ist das der Punkt, an dem man am liebsten Franzose werden will.

Kurz danach war ich dann froh, nicht spontan die Nationalität gewechselt zu haben. Denn die Franzosen regten sich furchtbar darüber auf, dass der Halt in Kairouan so kurz war. Sicher, die Stadt ist sehenswert, das war in der Kürze der Zeit zu erkennen, aber man darf dem Führer schon vertrauen, wenn er sagt, dass sie sich vormittags mehr lohnt, weil dann die Moschee und dergleichen besichtigt werden dürfen. Nicht umsonst bietet der Veranstalter eine Halbtagestour dorthin an.

Und so kamen wir also unter dem Gezeter der Franzosen in Sousse an, wo sich dann die Wege trennten und Dan mir seine Facebookadresse gab, was mich sehr gefreut hat. Ich hatte mir auch schon überlegt, ob man vielleicht in Kontakt bleiben könnte, aber ich wollte nicht aufdringlich sein.

Tja, nach dem Duschen gabs essen – und jetzt bin ich hier am Rechner und tippe diesen Eintrag.

Mal sehen, was ich noch unternehmen werde. Tunis zu besichtigen wird derzeit abgeraten, also bleiben auf meiner Liste Karthago, Cap Bon, Dougga und der nördliche Atlas sowie Sbeitla. Und der Tauchkurs nicht zu vergessen. 14 Tage können ganz schön kurz sein…

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